Archiv für die Kategorie ‘Kommentar’

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Stargate Universe: Einfach gute Science Fiction!

14. September 2011

SGU-Crew

Gerade habe ich mir die vermutlich letzte Episode von Stargate Universe zu Gemüte geführt. Mit Mr. Spock gesprochen: Faszinierend! Im Strudel des Alltags muss es statt einer angemessen Würdigung nun vorerst dieser Kommentar tun.

„Auf die Familie!“ lautete das Motto von Col. Everett Youngs Toast, den er in der letzten Episode Im Ruhezustand zum Besten gibt, bevor auch die Kern-Crew mangels anderer Alternativen für drei Jahre in die Stasiskammern geht. Hier wird eine These auf den Punkt gebracht, die sich mir spätestens gegen Ende der ersten der beiden Staffeln aufgedrängt hatte: In Stargate Universe werden die Schwierigkeiten verhandelt, die eine Schar von durch ein Leben im Neoliberalismus geprägte Individuen hat, wenn sie aus diesen Verhältnissen herausgerissen auf eine anfangs nicht existente Mission in die Weiten des Alls katapultiert wird. Sie ist auf Gedeih und Verderb auf die anthropologische Grundeinsicht zurückgeworfen, dass der Mensch nur als gesellschaftliches Wesen überlebensfähig ist.

SGU-Crew

Die SGU-Crew: EinzelkämpferInnen werden Team und Familie (Quelle: Stargate Wiki)

Die Mitglieder der Crew wider Willen sind schlicht materiell gegenseitig auf sich angewiesen und haben sich am Ende von Staffel Zwei gegen anfängliche persönliche Animositäten zusammengerauft. Jenseits biologischer Bande hat sich so eine Familie der anderen Art herausgebildet, die Karl Marx in seiner wenig Hollywood tauglichen analytischen Sprache als „Assoziation der Produzenten“ bezeichnet hat. Die Freiheit des Einzelnen wird durch die materiell widrigen Umstände, die der Flug durchs All mit sich bringt, stets begrenzt oder sogar in Frage gestellt. Sie kann sich jedoch dort entfalten, wo solidarische Kooperation gelingt. Überdeutlich wird dieser Zusammenhang am anfangs überaus rauen Männerverhältnis zwischen Young und Nicholas Rush, den Young in seinem Toast als durchaus eigenwilligen „Onkel“ würdigt, der auf seine Art sein Bestes für die Familie tut.

Diese großartige Serie wurde anscheinend vom Gros des Stargate-Fandoms abgelehnt und deshalb wegen unzureichender Renditeerwartungen vom Sender Syfy abgesetzt. Ein popkulturelles Symptom für die Realitätsverdrängungsmechanismen in der gegenwärtigen US-Gesellschaft, die mit der Tea Party eine schlagkräftige Formation erreicht hat?

To be continued …

Dirk Kretschmer

Zum Weiterlesen: Stargate Universe – Stargate Wiki – Das deutschsprachige Stargate-Lexikon

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Surrogates: Wer hat Angst vorm bösen Robo

26. Januar 2010

Ein Freund bringt Surrogates – Mein zweites Ich (2009) nach dem gemeinsamen Kinobesuch treffend auf den Punkt: “Bruce Willis hat die Chance vertan, der würdige Nachfolger von Harrison Ford zu werden.” Natürlich meint er damit Fords Verkörperung von Rick Deckard in Blade Runner (1982) [1]. Und dass nicht so sehr, weil Willis sein Handwerk – das des Action-Recken – verlernt hätte oder dafür zu alt geworden wäre. Nein, Bruce gibt als FBI-Agent Tom Greer darstellerisch alles was das Drehbuch zulässt. Doch leider gibt das Werk von Michael Ferris und John D. Brancato wenig bzw. wenig erfreuliches her, das sich mit Visionslosigkeit, Technophobie oder schlicht Konservatismus umschreiben lässt.

Das fängt gleich schon bei der Einführung des Surrogates-Universums an: 98 Prozent der Weltbevölkerung bedient sich von Zuhause aus der Androiden als Stellvertreter im öffentlichen Leben. Nur die Dread-Bewegung aus fundamentalen Technikhassern stellt sich dem entgegen. Kein Wort wird darauf verwendet, wie bis ins Jahr 2017 auch nur die brutale Armut (nicht nur) in Subsahara-Afrika und Asien überwunden wurde [2]. Ganz zu schweigen davon, wie bitteschön nahezu jede und jeder auf diesem Planet über eine Hightech-Maschine wie einen Surrogate verfügen kann. Aber von einem Ende der Mangelwirtschaft kann auch in dieser Welt keineswegs die Rede sein.

Die autonome Zone der Dreads ist ein einziges Slum, das von parkähnlichen Flächen durchzogen auch einen Anklang von Südstaaten-Idylle bietet. Die Dreads sind nicht nur ängstlich, sie sind auch dreckig und hässlich – ganz so als wären sie bürgerlichen Angstfantasien von den gefährlichen Klassen entstiegen. Warum engagierte Ökofundies aus freiem Willen und eben nicht aus ökonomischer Not derart verwahrlosen sollten, ist höchst unplausibel. Dass die “Surros” unter dem Monopol des globalen Unternehmens VSI produziert werden, erinnert auch eher an Microsoft als an ein Institut einer gerechten Weltwirtschaft. Passend dazu unterhält der Konzern fragwürdige Beziehungen zum Militär.

Bemerkenswert ist allerdings die beleuchtungsstark herausgestellten Altersmale des Mittfünzigers Willis. Dem wächserndem Gesicht seines Surros gegenübergestellt, kann dieses dramaturgische Mittel durchaus als (Selbst-) Kritik am Jugendkult Hollywoods gelesen werden. Witzig ist außerdem die Zuspitzung der Internet-Stubenhockergesellschaft, wie sie am Ende des Films in Pyjamas, Morgenmänteln und Pantoffeln auf die Strassen tappt und sich das Kollektiv der Vereinzelten am Kopf kratzt. Ist spät geworden letzte Nacht … Und nicht zuletzt wird augenfällig, dass ein Bruce Willis bitteschön Glatze zu tragen hat.

Der Kick von Blade Runner besteht darin, dass er in seine dystopische Zuspitzung der Gegenwart die Frage stellt, was Menschlichkeit im Zeitalter ihrer technischen Reproduktion ausmacht. Surrogates bleibt da im wörtlichen Sinne konservativ: Die Androiden sind Avatare bar jeglicher Intelligenz. Menschlichkeit bleibt ganz bei den “Fleischsäcken”. In der Angst vorm Robo verbirgt sich so die Angst vor posthumanistischen Zuständen.

Dirk Kretschmer

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